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DINA BECK

"Es gibt kaum ein besseres Buch für einen regnerischen Sonntagnachmittag als einen historischen Roman."

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Picnic like it's 1879 - Oder wieso die Viktorianer auf Friedhöfen picknickten

Aktualisiert: 7. Mai 2022

Immer sonntags treffen wir uns zum Schlemmen auf dem Friedhof. Oma Ernas Grab ist dafür besonders gut geeignet, weil unser Tischgrill genau auf ihren Grabstein passt. Die Marmorplatte von Herrn Weker nebenan bedecken wir immer würdevoll mit einem Blumenwachstuch, bevor wir unsere Tupperdosen daraufstellen.


Okay, nein. Wir treffen uns weder regelmäßig sonntags auf dem Friedhof, noch picknicken wir dort. Aber so ähnlich könnte das aussehen, wenn sich diese viktorianische Angewohnheit durchgesetzt hätte. Denn die Viktorian trafen sich tatsächlich auf dem Gottesacker für einen gemeinsamen Schmaus. Sie nahmen das Wort Familienessen offenbar sehr ernst. Es durften sogar die Verstorbenen teilnehmen.


Für uns mag der Gedanke heutzutage äußerst befremdlich sein - Essen auf dem Friedhof. Aber wenn wir mal ehrlich sind, gibt es da ja nicht nur Gräber, sondern auch Bäume, Blumen, Büsche, Wiesen usw. Natur eben, die besonders im Industrialisierungszeitalter immer weiter aus den Großstädten gedrängt wurde. Parkanlagen suchte man damals vergebens. Da war es nur konsequent, seinen Lunch im Sonnenschein zwischen den Gräbern von Tante Käthe und Onkel Ernst einzunehmen.


Die Viktorianer hatten ein besonderes Verhältnis zum Tod. Memento mori war in und die Trauerkultur ein hohes Gut, in einer Zeit, in der die Kindersterblichkeit noch besonders hoch war und Krankheiten noch nicht durch Antibiotika geheilt werden konnten. Der Tod war allgegenwärtig, wieso also nicht das Notwendige mit dem Offensichtlichen verbinden und den Sonntagsausflug gleich auf dem Friedhof stattfinden lassen?


Erst anfang des 20. Jahrhundert gerieten die Friedhofspicknicks allmählich aus der Mode. Medizinische Errungenschaften und die Errichtung von Parks und anderen Naherholungsmöglichkeiten ließen das außergewöhnliche Familienessen in Vergessenheit geraten.


Schade? Würdet ihr auf dem Friedhof Picknicken?

In "Ein Tropfen Mord auf Seide" wird zwar nicht gepicknickt, aber dafür stilecht englisch Teegetrunken und gemordet. Lasst Euch meinen viktorianischen Kuschelkrimi nicht entgehen!


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