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DINA BECK

"Es gibt kaum ein besseres Buch für einen regnerischen Sonntagnachmittag als einen historischen Roman."

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  • Dina Beck

Historical Romance oder Regency Romance - Wo liegt der Unterschied?

Aktualisiert: 13. Okt. 2022


Spätestens seit Bridgerton hab ich mich immer gefragt: Ist das eigentlich noch ein klassischer Regency Romance? Eine Frage, die sich mir vorher nie gestellt hat. Ist doch klar, Regency Romance, das sind doch die Bücher mit den wohlgesitteten, jungen Damen auf dem Cover, die verträumt eine Blume in der Hand halten. Und Historical Romance, das sind die Romane mit den knappbekleideten Piraten und den Damen mit wehendem Haar und HWS-Syndrom auf dem Buchdeckel. Oder nicht?

Tatsächlich scheinen diese Genre-Grenzen in letzter Zeit immer mehr zu verschwimmen, daher hier noch mal in aller Kürze:


Regency Romance - der Regency Liebesroman:

Es war tatsächlich Georgette Heyer, die das Genre im 20. Jahrhundert begründete. Wer kennt ihren Namen nicht? Wichtig für die Bücher des Genres: Die Handlung spielt in der sogenannten Regentschaftszeit, das knappe Jahrzehnt (1811-1820) als der englische König George für verrückt erklärt wurde und sein Sohn an seiner statt regierte. Mir ist diese Zeit besonders aus den Romanen Jane Austens vertraut. Wer hat nicht sofort ein Bild im Kopf, wenn er an Lizzy und Darcy denkt? Dem Regency Romance eigen sind seine guten Manieren, "novels of wit and manners", in denen die Korsetts (die man damals gar nicht trug) ungeöffnet und die Schlafzimmertüren verschlossen bleiben. Die Länge der Romane ist außerdem mit ca. 50.000 – 70.000 Wörtern eher kürzer als bei einem Historical Romance.


Historical Romance - der historische Liebesroman

Im Deutschen trägt er auch manchmal den unschönen Namen "Nackenbeißer", was vermutlich von den extravaganten Covern herkommt, auf denen die Hauptfigur nicht selten den Kopf in den Nacken wirft, um von den vollen Lippen eines seines Hemdes beraubten Leutnants oder Korsaren liebkost zu werden. Entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfreut sich der historische Liebesroman auch heute noch großer Beliebtheit. Berühmte Autorinnen in diesem Genre sind Kathleen Woodiwiss und Rosemary Rogers. Hier werden alle Epochen bedient, von den Wikingern bis in den wilden Westen. Im Unterschied zum Regency Romance stehen hier die Türen zum Schlafzimmer sperrangelweit geöffnet und die Korsetts fliegen nur so, weshalb die Romane im Englischen auch gerne "bodice-ripper" genannt werden. Auch in der Länge unterscheiden sie sich, eine historische Romanze hat im Schnitt 100.000 Wörter. Natürlich gibt es auch Historical Romances die in der Regentschaftszeit spielen, sogenannte Regency-set Historicals. Wahrscheinlich die berühmteste Vertreterin dieses Untergenres ist Julia Quinn mit ihrer Bridgerton-Reihe.


Wieso die Genregrenzen zu verschwimmen drohen

Ich will Bridgerton keine Schuld geben, aber … Ich gebe Bridgerton die Schuld daran, dass in letzter Zeit die Genregrenzen zwischen dem gut gesitteten Regency Romance und dem heißblütigen Historical Romance immer mehr zu verschwimmen scheinen. Manch Nachwuchsleser*in kann den Unterschied gar nicht mehr benennen. Aber woran liegt das? Hat die TV-Serie zu Bridgerton dafür gesorgt, dass sich plötzlich Leseri*innen für ein Genre interessieren, dass ihnen vorher gänzlich unbekannt war? Und hat Bridgerton den Sex im Regency Romance salonfähig gemacht?


Ich hoffe nicht …

Als Autorin von historischen Romanen kann ich nur sagen: Sex sells. Seit uns Daphne und Simon den Kopf verdreht haben, scheinen Leser*innen Sex in historischen Romanen geradezu zu erwarten. Auch die Verlage haben den Braten längst gerochen und veröffentlichen ihre alten Historical Romances mit den cheesigen Covern einfach in neuem Gewand. So kommen die Nackenbeißer plötzlich daher wie ein Roman von Jane Austen. Hinter den verträumt schauenden Damen mit der Blume im Haar verbirgt sich eine heiße Affäre im Billardzimmer. Beware! Die Unschuld vom Lande ist nicht länger unschuldig. Nicht immer jedenfalls.


Und nun?

Und wie können wir die liebkosenden Korsarenlippen nun von den guten Manieren unterscheiden? Uns bleibt wohl nichts anderes übrig, als brav die Klappentexte zu lesen. Und dann achtet auf die Hinweise … Leute, achtet auf die Hinweise!

Jetzt tut nicht so! Ihr kennt die Hinweise. Gebt's zu. 😊

Wie seht ihr das? Sind euch die Genre-Grenzen wichtig oder schnurz?

Falls Ihr bei all dem jetzt Lust auf einen ECHTEN Regency Romance bekommen habt, mit der vollen Ladung Jane Austen und garantiert guten Manieren, dann empfehle ich Euch: "Auf der Jagd nach der falschen Liebe", oder gleich die ganze Reihe: "Der letzte Ball der Saison".



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